World of Voice and Singing

Center Gravity / Fluid Power / Vocal Freedom

1.2/ Klangfarben, Charakteristiken, Timbre

Teil 1 Was ist Klangfarbe, Charakteristik, Timbre …?
Teil 2 Wie kann man den Klang einer Stimme beschreiben?
Teil 3 Wollen wir Vielfalt oder Einfalt?
Teil 4 Der akustische Fingerabdruck der Stimme
Teil 5 Stimme hören, fühlen und sehen

 


 

Was macht den Charakter eines Stimmklangs aus?

Was sind eigentlich Klangfarben? Warum klingen Opernstimmen anders als Popstimmen? Warum erkennen wir gewisse Stimmen so leicht wieder? Wie beeinflusst man den Klang seiner Stimme für eine Stilrichtung? Gibt es Stimmklangideale? Wie kann man lernen den „natürlichen“ Klang seiner Stimme zu entfalten? Wie kann man lernen ihr Frequenzspektrum zu erweitern?

Alle diese und noch viel mehr Fragen wirft das Thema Klangfarben, Charakteristiken und Timbre auf. Passend zum Herbst, der uns noch einmal mit aller Kraft seine Farbvielfalt zeigt, befasse ich mich im Oktober mit diesen Themen. Heute kläre ich ein paar grundsätzliche Begriffe und Definitionen.

Klangfarbe:
Die Klangfarbe ergibt sich aus der Summe von Grundton- und Oberschwingungen im Stimmklang (Schallsignal). Sie beruht somit auf einem relativ harmonischen Aufbau von Teiltönen. Ein Ton setzt sich aus einer Grundschwingung, also seiner Grundfrequenz und mehreren ganzzahligen Vielfachen (Obertönen) zusammen. Wenn man eine Stimme hört werden jedoch normalerweise alle Teiltöne als einheitlicher Klang vermischt und als einzelner Ton wahrgenommen. Die Hörsensibilität Teiltöne herauszuhören kann aber geübt werden. Das ist in etwa vergleichbar wie wenn wir eine Farbe betrachten. Anstelle der vielen vermischten Farbenanteile und Grundfarben die sie enthält, nehmen wir normalerweise nur wahr ob sie „orange“ oder „grün“ ist. Je mehr wir uns für die Unterschiede und Feinheiten sensibilisieren, umso spezifischer werden auch unsere Bezeichungen wie „wiesengrün,“ „olivgrün,“ „türkis“ u.s.w.

Klangfärbungen werden allerdings häufig mit recht vagen Eigenschaftswörtern beschrieben, beispielsweise als „scharf,“ „nasal,“ „matt,“ oder „voll.“

Klangcharakteristik
Die Klangcharakteristik einer Stimme ist ihre akustische Struktur, die aus dem Teiltonspektrum des Schallereignisses hervorgeht, oder in anderen Worten: „Das Teiltonspektrum bestimmt als Hauptmerkmal den Höreindruck der Klangfarbe, denn Klangfarbenunterschiede entstehen durch Änderungen eines Klangs, die nicht auf den Eigenschaften Tonhöhe und Lautstärke beruhen.“ (Seidner, 2004, S.36)

Formanten
Der Charakter eines jeden Klangs wird im Wesentlichen durch seine Formanten bestimmt.
Die Resonanzeigenschaften der Stimme werden hervorgerufen durch Überlagerungen bei der Schallabstrahlung in den Resonanzräumen. Dort wo ihre relative Verstärkung am höchsten ist, entstehen Frequenzmaxima, die man als Formanten bezeichnet.

Timbre
Das Timbre ist ein spezifisches, klangästhetisches Merkmal und wird häufig mit Klangfarbe gleichgesetzt. Doch obwohl sie unmittelbar in Bezug zueinander stehen, sind Klangfarbe und Timbre nicht dasselbe. Das Timbre lässt sich kaum erfassen. Es handelt sich um ein klangästhetisch, musikalisches Merkmal des persönlichen Stimmklangs, der aus den Eigenheiten des Ansatzrohres, nichtharmonischen Eigenfrequenzen, geräuschhaften Komponenten und der dialektischen Einfärbung der Muttersprache entsteht. Es gibt physiologische, individuelle und soziale Komponenten, die diesen gewissermaßen ‚akustischen Fingerabdruck‘ eines Menschen bestimmen.

Stimmqualität
Alle Eigenschaften einer Stimme zusammen beschreiben dann ihre Stimmqualität. Dazu gehören zum Beispiel das Volumen oder die Stimmfülle, Stimmstärke, sowie Tragfähigkeit, die Klangdichte oder Sonorität (ob eine Stimme z.B. hauchig klingt oder klar), bestimmt durch Zahl und Stärke der harmonischen Teiltöne, und schliesslich die Klangfarbe und das Timbre.
Maria Goeres

Quellennachweis für alle Definitionen und Texte:
Maria Goeres „Gesangstechniken im nordindischen Kunstgesang Dhrupad“, Magisterarbeit, 2008, Berlin Freie Universität.


 

Wie kann man den Klang einer Stimme beschreiben?

Alles beginnt mit dem aufmerksamen und differenzierten Hören. Wenn wir versuchen den Klang einer Stimme subjektiv in Worte zu fassen, kann jede Assoziation helfen und der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Sobald wir aber versuchen den Stimmklang objektiv zu beschreiben, werden wir rasch an unsere Grenzen stoßen. Für die objektive Beschreibung von Stimmklängen braucht es viel Wissen über das Wesen von Klängen und Erfahrung, den Klang der Stimme von all den anderen sich überlagernden Eindrücken abzugrenzen, die Sänger auf uns hinterlassen. Das braucht viel Übung. Erschwerend kommt hinzu, dass es bisher nicht einmal eine umfassenden Systematik über Stimmklänge gibt. Aber kann so ein System überhaupt vollständig sein? Oder objektiv?

Als Stimmforscherin habe ich einige Gesetzmäßigkeiten zusammengetragen und verfeinert, die sich objektiv messen und weitgehend objektiv übertragen lassen. Da ist zum Beispiel die Erkenntnis, wenn der Grundton stärker hervortritt als andere Frequenzbereiche, ein Stimmklang ‚matter‘ erscheint; oder dass der Obertonanteil am Gesamtspektrum entscheidet, wie ‚brillant,’ ‚hell,’ ’spitz,‘ ’scharf‘ oder ‚durchdringend‘ der Klang wirkt. Man sagt auch, dass Teiltonpaare über dem 4.Teilton, die weniger als 100Hz auseinander liegen den Klang ‚rau‘ erscheinen lassen können. Weit verbreitet ist die Erkenntnis, dass der Anteil des Sängerformanten bei 2.6-4.0 kHz die Tragfähigkeit der Stimme beeinflusst.

In einer meiner wissenschaftlichen Arbeiten habe ich den Versuch unternommen, Stimmklänge in Kategorien zu systematisieren. Unter anderem nach der Anzahl der Teiltöne, nach den Formanten, der Tonqualität sowie dem Nebengeräuschanteil, der Tragfähigkeit, Dynamik, Stilistik, Gesangstechnik, aber auch emotionalen Ausdruck. Und nicht zu vergessen, der Güte und den unspezifischen Qualitäten (z.B. schön, attraktiv, langweilig …). Jeder Kategorie habe ich bestimmte beschreibende Eigenschaften zugeordnet. Und da kommt einiges zusammen. Hier eine Auswahl:

… reich, differenziert, fein, flexibel, mühelos, ausgewogen, frei, fließend, schwerfällig, undifferenziert, grob, blockiert, eng, drückend, weit, dynamisch, brillant, glänzend, strahlend, leuchtend, Intensität, Dichte, hohl, matt, voluminös, voll, groß, kräftig, beständig laut, leise, nasal, dünn, klar, rein, rau, behaucht, heiser, krächzend, instabil, gebrochen, attraktiv, schön, makellos, hässlich, unangenehm, aufdringlich, künstlich, aufgesetzt, langweilig, kalt, tot, intentionslos, ergreifend, intensiv, bewegend, natürlich, authentisch …

Doch selbst wenn man objektive wissenschaftliche Erkenntnisse anwendet, den Stimmklang im sogenannten Sonagramm untersucht, bleibt der Höreindruck um einiges Vielschichtiger als jede Messung. Zu den besten Ergebnissen kommt man übrigens, wenn man die technischen Messungen und Analysen der Sonagramme mit den qualitativen Beurteilungen über das reine Hören miteinander kombiniert. Doch wie tief man auch wissenschaftlich in die Materie dringt, es bleiben immer Aspekte, die sich den Beschreibungen, Kategorisierungen, Erklärungsversuchen entziehen. Der Klang einer menschlichen Stimme ist ein hochkomplexes, faszinierendes, kaum vollkommen zu durchdringendes Phänomen.

Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Erforschung von Stimmklängen ein spannendes und lohnendes Thema ist. Für mich hat sich herausgestellt, dass meine jahrelange Praxis der immer feiner werdenden Wahrnehmung eines Stimmklangs nicht nur bei der Erfassung von außereuropäischen Stimmen hilfreich ist. Als Sängerin/Songwriterin bewirken gerade diese Feinheiten die großen Unterschiede und als Stimmbildnerin bin ich in der Lage die Stimmen meiner SchülerInnen sehr differenziert einzuschätzen.


 

Wollen wir Vielfalt oder Einfalt? Grün grün grün sind alle meine Kleider …

Wenn man erst einmal einen Wohlfühlklang in der Stimme gefunden hat und sie damit einigermaßen im Griff hat, kann es sein, dass man diesem Klang fortan treu bleibt, immer wieder mit denselben Klangfarben malt und dieselben „Wege“ abgeht. Man hinterlässt Spuren, die sich zu Klangcharakteristiken festigen. Das gehört zur Ausbildung einer Stimme dazu und stärkt den sicheren Umgang und das ganz individuelle Stimmprofil – das dann bestenfalls einen hohen Wiedererkennungswert und authentischen Ausdruck hat! Und hat er erst einmal gelernt mit seiner Stimme auf gesunde Weise umzugehen, ist es dem Künstler überlassen, ob er sich mit dem mühsam erworbenen stimmlichen Handwerkszeug, dem erfolgreich zurechtgeschliffenen Klangfarbenspektrum zufrieden gibt, es weiter verfestigt und dann jedes Songmaterial daran anpasst.

Doch wird das der Vielfalt unserer gesungenen Worte, den transportierbaren Stimmungen und den klanglichen Möglichkeiten unserer Stimme gerecht? 

Wenn ich an die Klangeigenschaften von Singstimmen denke, kommt mir manchmal das Bild einer Landschaft in den Sinn. Eine Landschaft die viele unterschiedliche Erscheinungsformen zeigt, die jeweils ganz unterschiedliche Assoziationen und Empfindungen auslösen. In dieser Landschaft kann man frei umherwandern, immer wieder neues Territorium erobern, sich immer wieder von Neuem überraschen lassen, wenn man die gewohnten Wege verlässt und sich traut auch das unbekannte Terrain zu entdecken. Nachdem ich über Jahre hinweg unterschiedliche Stimmen aus den unterschiedlichsten Genres und fast allen Teilen der Welt angehört habe, kann ich manchmal nicht fassen, wie viele klangliche Möglichkeiten die menschliche Stimme eigentlich hat. Umso mehr habe ich mich gefragt, warum wir unseren Hörgewohnheiten derart treu bleiben, immer wieder ähnliche Klangcharakteristiken abspulen und imitieren – und selten wagen aus ihnen herauszubrechen.

Eine Antwort darauf ist wohl „Identifikation.“ Wie kann sich ein Zuhörer zurechtfinden wenn der Sänger weit mehr als nur eine Stimme hat, wenn er ein großes klangliches Spektrum nutzt? Kann man sich mit Vielfalt identifizieren? Das Unbekannte ist oftmals verwirrend, die Vielfalt verunsichert, weil sie schwer zu greifen ist, die fremden Klänge erschüttern unsere Gewohnheit und werden rasch unangenehm, sie konfrontieren uns mit Neuem und müssen sich erst in unserer Welt einen Platz ergattern, bevor wir sie annehmen wollen. Wir wollen uns darin widerfinden.

Eine andere Antwort darauf ist wohl „Authentizität.“ Solange wir keine aufrichtige in der Stimme hörbare Verbindung des Sängers mit der Absicht und dem Inhalt seines Singens wahrnehmen, erreichen uns weder einheitliche, wiedererkennbare Klangfarben noch neu erschaffene Klangcharakteristiken.

Doch ist Musik nicht Ausdruck von Vielfalt, Abwechslung und Lebendigkeit? Ein ewiger Prozess, eine rastlose Suche im endlosen Ozean der Klänge?

Wahrscheinlich liegt der Zustand den wir suchen irgendwo dazwischen – in der Balance von Bekanntem und Neuem, Abgrenzung und Ausbruch, Erinnern und Überraschen, Gewohnheit und Abwechslung, Vielfalt und Einfalt, Zerstörung und (Neu)Erschaffen, Struktur und Improvisation, Chaos und Ordnung – und wieder fühle ich mich erinnert an die Natur, die sich auf diese Weise in unterschiedlichen Landschaftsbildern ausdrückt.

Es bleibt an uns Sängern und Zuhörern, ob wieder gerne dort bleiben, wo wir uns wohl und sicher fühlen, wo wir uns auskennen – oder ob wir weiter und weiter gehen und feststellen, dass wir weitaus mehr kreativen Raum zur Verfügung haben wenn wir uns trauen auch andere Klangfarben auszuprobieren, bis eine bewegliche Balance entsteht. Sei es indem wir „unsere“ Klänge differenzieren, verfeinern und vertiefen– oder indem wir noch mehr aus unserer Stimme herausholen und neue Klangfarben finden oder erlernen. Natürlich kann man das in der Stimmbildung oder im Gesangsunterricht lernen, sofern der Lehrer bereit und in der Lage dazu ist, eine Vielfalt an Klangfarben zu unterstützen.

Dafür sind einige Schritte erforderlich. Wenn ich Stimmbildung oder Gesang unterrichte, gehört zu einem der ersten Schritte das gemeinsame Aufdecken der momentanen klanglichen Möglichkeiten. Dazu gehört auch, die gewohnten und bekannten Wege zu identifizieren, jene die als angenehm oder schön empfunden werden und jene die sich als unangenehm oder störend herausstellen. Wir machen uns auch Gedanken über die Visionen, vermisste oder unentdeckte Klanganteile, Klangvorstellungen oder sogar Wunschklangfarben, sofern es sie gibt. Auf dieser Basis kann der Sänger seine individuelle stimmliche „Landkarte“ zeichnen, lernen sich in ihr zurechtzufinden und neue Bereich zu erobern. Für mich als Stimmbildnerin/ Gesangslehrerin ist es eine lohnende Herausfoderung diesen unterschiedlichen Anliegen nachzugehen, mit jedem Schüler seine passende „Expeditionsausrüstung“ auszusuchen und Seite an Seite (neue) „Stimmlandschaften“ zu erkunden. Doch eines bleibt dabei sicher: Gesangstechnik, Klangfarben und musikalische Stilmittel – all diese werden erworben, um sich in den Dienst der künstlerischen Botschaft zu stellen.


Was macht den Klang einer Stimme einzigartig?

Die Klangfarbe und das Timbre bestimmt die einzigartigen Merkmale einer menschlichen Stimme – unseren „akustischen Fingerabdruck.“Wie im ersten Artikel der Serie „Klangfarben, Charakteristiken, Timbre“ bereits erläutert, werden die Resonanzeigenschaften der Stimme durch die Schallabstrahlung in den Resonanzräumen geprägt. Je nachdem welche individuellen Eigenschaften die Ansatzräume (also alle Räume oberhalb der Stimmbänder) aufweisen und auf welche Weise sie geformt werden, bilden sie individuelle Klangcharakteristiken. Durch die Veränderung der beweglichen und weichen Bereiche unseres Ansatzraums können wir die Form und damit den Zustand der Schallabstrahlung des Stimmklangs direkt beeinflussen (z.B. über Rachenweite, Kieferöffnung, Zungenposition, Lippen, Mund, Gaumensegel, Kehldeckel, Kehlkopfposition). Dabei lassen gewisse Phänomene erkennen, welche spezifischen Formen des Ansatzraumes zu welchen Klangeigenschaften führen. Deutlich ist dies beispielsweise bei der Bildung von Vokalen – welche unter anderem mit bestimmten Zungenpositionen einhergehen. Oder auch der Winkel in dem der Kehldeckel sich aufrichtet oder abflacht hat einen Einfluss auf den Klang. Wenn der Zungenbeinmuskel nicht noch zusätzlich verspannt sondern frei ist, führt ein Kehldeckel in flacherem Winkel zu eher hellen und scharfen Klangeigenschaften. Bei gleichzeitiger Verspannung der Zungenbeinmuskel hingegen erscheint der Klang eher dumpf und kehlig. Dies sind aber nur wenige von unzähligen Beispielen.

Die Auswirkungen des Resonanzraumes auf den Stimmschall kann man heutzutage mittels Computerprogrammen sogar technisch messen. Ist sich ein Sänger der Zusammenhänge zwischen Resonanzräumen und Stimmschall bewusst und gelingt es ihm die Resonanzräume optimal einzustellen, kann er diese nutzen, um die Leistungsfähigkeit seiner Stimme zu erhöhen und/oder sie in eine ganz spezifische Stilrichtung auszubilden –  z.B. für „typische“ Stimmcharakteristiken wie sie im Musicalgesang oder im klassischen Gesang erkennbar sind. Eine entscheidende Rolle spielen dabei auch die Formanten (siehe erster Beitrag 1). Der Charakter eines jeden Klangs wird im Wesentlichen durch seine Formanten bestimmt.

Hier singen Elton John, Lou Reed, Pavarotti, Bono, Suzanne Vega, David Bowie, Brett Anderson, Tom Jones  und viele andere den Song „Perfect Day“

http://www.youtube.com/watch?v=DZbY5GviFhU

Eine Bewusstheit über diese Zusammenhänge können aber auch im Sinne einer stimmlichen Freiheit erlernt werden. Dies ist der Fall, wenn wir nicht von vornherein typische Klangstilistiken anstreben oder nachahmen, sondern – auch innerhalb eines bestimmten Genres- danach streben, die eigenen, natürlichen Klangeigenschaften zu finden. Es entsteht ein einzigartiger klanglicher Ausdruck, der sich mühelos unter tausenden widererkennen lässt.


Stimme hören, fühlen und SEHEN

Während meines Studiums vor einigen Jahren wurde ich in der Universität der Künste Berlin Zeugin einer Versuchsreihe zu einem Programm, dass Gesangsslehrern ermöglichen soll, die Gesangsststimme ihrer Schüler im Unterricht zu visualisieren und möglichst objektiv zu beurteilen. Einige Jahre später war das Programm „Voce Vista“ auf dem Markt und mittlerweile gibt es noch weitere Software dieser Art. Inzwischen wird es von manchen Lehrern bereits im Unterricht verwendet.

Ich bin der Sache mit einiger Skepsis begegnet, da ein solches visuelles Feedback die Gefahr birgt sich auf ein technisches Instrument zu verlassen, anstatt die eigene Hörfähigkeit sowie Körper- und Klangempfindung auszubilden und zu differenzieren. Und es verleitet zu direkten Vergleichen und kann damit die individuelle Stimmentwicklung unterlaufen. Dennoch lässt sich nicht ignorieren, dass eine technische Stimmanalyse interessante und auch lohnende Erkenntnisse liefern kann, wenn man sie behutsam einsetzt,  z.B. – gekoppelt mit der differenzierten auditiven Beurteilung – zu Beginn der Gesangsausbildung durchführt und nach einiger Zeit des Lernens wiederholt. Es ist für den Schüler durchaus interessant die Entwicklung seiner Stimme nicht nur fühlen und hören sondern auch sehen zu können.

Die singende Stimme wird mittels Mikrophon aufgenommen. Das Schallsignal wird dann in einer Spektralanalyse, Sonagramm dargestellt. Erkennen kann man in einem solchen Sonagramm zum Beispiel die (Sänger)formanten, den Grundton, Obertöne, dominierende Obertonbereiche und die Teiltöne im Frequenzspektrum der jeweiligen Stimme. Ebenso kann man Geräusche erkennen und Besonderheiten wie Stimmeinsatz oder Vibrato. Man kann auch die Wirkung des Ansatzrohres auf den Stimmklang untersuchen – nur die Klangfarbe entzieht sich der Analyse eines solchen Programmes bisher weitehend.

Klangfarben visualisieren

Allerdings auch auf diesem Gebiet gibt es bereits grosse wissenschaftliche Fortschritte. So soll es bald eine Software geben, die Klangfarben unterscheiden kann:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-3959-2005-12-08.html

Und für eine detalliertere Obertonanalyse gibt es auch:

http://www.sygyt.com/de/overtone-analyzer

Maria Goeres

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