World of Voice and Singing

Center Gravity / Fluid Power / Vocal Freedom


1.1/ Stimmumfang und Register (Teil 3)

Wie schon im letzten Beitrag erwähnt, hängt es von persönlichen, musikalischen, kulturellen und ästhetischen Kriterien ab, ob eher Brust- oder Kopfstimmanteile bevorzugt werden und was genau ausgewogen bedeutet. Diese Kriterien können von Gesangskultur zu Gesangskultur, Genre, Stil und musikalischem Material sehr unterschiedlich sein.

Heute geht es um Kopfstimme, Falsett und Pfeifregister:

Bei einer Frauenstimme wird der höheren Lage die Kopfstimme und das Pfeifregister (manche sprechen hier auch von Falsett) zugeordnet. In der Praxis ist eine klare Abgrenzung dieser hohen Register nicht immer so eindeutig, das trifft auch die teilweise Mischung mit der Bruststimme zu. Um solche Mischphänomene besser zu beschreiben werden manchmal sogar zusätzliche Bezeichnungen wie die der „Superkopfstimme“ eingeführt.

Ein Beispiel für hohe Kopfstimme mit nicht ganz eindeutiger Abgrenzung zum Falsett:

1. Leona Lewis „Cant breathe“: http://www.youtube.com/watch?v=a2jHgV_7-Fw

Ein Beispiel für hohe Kopfstimme mit nicht ganz eindeutiger Abgrenzung zum Pfeifregister

2. Minnie Riperton „loving you“ http://www.youtube.com/watch?v=auYCXBzep9o

Ein Beispiel für Kopfstimme mit nicht ganz eindeutiger Abgrenzung zur Mischfunktion:

3. Kate Bush „Wuthering Heights“: http://www.youtube.com/watch?v=Fk-4lXLM34g

4. Corinne Bailey Rae covers „Venus as a Boy“: http://www.youtube.com/watch?v=2xGaxN_Qkbw

5. Derselbe Song in der Mischfunktion, Björk „Venus as a Boy“: http://www.youtube.com/watch?v=ZaxUZH0cbhM

Obwohl es bei Männern einen klaren physiologischen Unterschied gibt zwischen Kopfstimme und Falsett, lassen sich beide Register in der Praxis nicht immer eindeutig voneinander abgrenzen. Dennoch habe ich einige Beispiele aus dem Popbereich gefunden, die sich dem Falsett zuordnen lassen. Bekannt dafür sind Sänger wie Prince, Michael Jackson, Marvin Gaye und Freddi Mercury.

Beispiele für männliches Falsett:

6. Prince, „Adore“: http://www.youtube.com/watch?v=leG8lgFM9VE

7. The communards „So cold the night“: http://www.youtube.com/watch?v=Fx1lAdi1f-8

8. Sigur Ros „Glosoli“: http://www.youtube.com/watch?v=Bz8iEJeh26E

9. Earth, Wind, Fire „Reasons“: http://www.youtube.com/watch?v=0NnXIxSAa1QE

Beispiel für eine nicht ganz eindeutige Abgrenzung der Kopfstimme zu einer teilweise Mischung mit der Bruststimme:

10. The Police „Roxanne“: http://www.youtube.com/watch?v=k3EmA-eJPxs

Pfeifregister:

Das extrem hohe Pfeifregister wird selten eingesetzt, und oft handelt es sich eher um eine Mischung zwischen Kopfstimme, Falsett und Pfeifregister. Es gibt allerdings einige Sängerinnen im Soulbereich, die das Pfeifregister intensiv verwenden. Besonders bekannt dafür sind Rachelle Ferrell, Betty Wright und Minnie Riperton.

11. Minnie Riperton „Could It Be I’m In Love“: http://www.youtube.com/watch?v=GXTQWIaKTKs (ab 2:25 min)

12. Betty Wright „No Pain, no Gain“: http://www.youtube.com/watch?v=QOJBxGHI1xQ (ab 2:20 min)

Feldaufnahmen aus anderen Kulturen:

13. Frauen, reine Kopfstimme, Ansätze zu Falsett und leicht gemischte Kopfstimme):

1-Indonesien, 2-Zentralafrika, 3-Südkorea

14. Männer, Kopfstimme, Falsett, Pfeifregister:

1- Mongolei, 2- Brazilien, 3-Europa, 4-Mongolei

Und in den nächsten Tagen geht es dann weiter mit tollen Beispielen zu Bruststimme, Strohbass und Mischfunktion.

keep in touch 🙂

Maria Goeres

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1.1/ Stimmumfang und Register (Teil 2)

                                                      
Was ist ein Stimmumfang?

Mit dem Umfang einer Stimme ist die Spannweite gemeint, die sie von der tiefsten bis zur höchsten Frequenz (Tonhöhe gemessen in Hz) erreichen kann. Man unterscheidet bei dem Umfang einer Stimme zwischen dem physiologischen und musikalischen. Der physiologische Stimmumfang bezieht sich auf alle Laute, die eine menschliche Stimme hervorbringen kann, auch solche, die musikalisch „nicht verwertbar“ sind. Meist ist dieser Umfang wesentlich größer als der musikalische.

Was  passiert im Kehlkopf wenn höher gesungen wird?
Mit zunehmender Phonationsfrequenz (Tonhöhe) erhöht sich die Spannung im Kehlkopfbereich. Gleichzeitig kommt es zu einer Massenverkleinerung Stimmbänder, so dass die Randkanten- und Schleimhautschwingung (die inneren feineren Bereiche der Stimmbänder) vorherrscht. Die Stimmbänder werden gestreckt und dadurch dünner. Der schwingungsfähige Teil hingegen verkürzt sich (Vgl. Seidner, 2005, S.77).

Was  passiert im Kehlkopf wenn tiefer gesungen wird?
Die Abnahme der Frequenzen führt zu einer relativen Entspannung und Verlängerung der Stimmlippen, die infolgedessen langsamer schwingen. Die Schwingungsmasse, also die Aktivität des Musculus Vocalis (der Muskelanteil und damit größere Bereich der die Stimmbänder ausmacht) nimmt zu.

Diese Veränderungen geschehen unabhängig von der Timbrencharakteristik und Klangfarbe einer Stimme, denn diese wird einerseits durch die Stimmlippenschwingung und andererseits die Beschaffenheit ihrer Resonanzräume bestimmt (Sundberg, 1977, S.73).

Was bedeutet „Register“?
Es handelt sich dabei um ein sehr umstrittenes Konzept, das sich aber für die Beschreibung  der charakteristischen Färbungen bestimmter Tonhöhenabschnitte als hilfreich erwiesen hat (Vgl. Seidner, 2005, S.99). Das Registerprinzip beruht auf der Feststellung, dass die Tonhöhenänderung bei einer ungeübten Stimme von der tiefsten bis zur höchstmöglichen Stimmlippenfrequenz normalerweise nicht als gleitendes Kontinuum erfolgt sondern stufenweise. An bestimmten Stellen „springt“ die Stimme aus dem tiefen Frequenzbereich der so genannten Bruststimme in den höheren, als Kopfstimme bezeichneten Bereich, mit hörbarer Veränderung der Klangfarbe (Seidner, 2004, S.100). An den Übergängen von einem zum nächsten Register ändert sich die Kehlkopfstellung abrupt. Dieses Phänomen wird als Registerbruch bezeichnet. Physiologisch gesehen nimmt die in Schwingung versetzte Masse der Stimmlippen vom Brust- zum Kopfregister ab so dass bei der Bruststimme die gesamte Muskelmasse der Stimmlippen und bei der Kopfstimme lediglich die Stimmbandränder schwingen. Die Teilabschnitte ähnlicher Klangeigenschaften werden als Brustregister und Kopfregister, sowie Mittelregister bezeichnet. Zusätzlich zählt man in der europäischen Gesangswissenschaft ein tiefes Strohbassregister und hohes Falsett bei Männern sowie das Pfeifregister bei Frauen hinzu.

Und was ist eigentlich die Mischstimme?
Man spricht von einer ausgewogenen voix mixte,  Mischfunktion oder einem Registerausgleich wenn es über das möglichst gleichmäßige Zusammenwirken aller Muskeln zu einer Verschmelzung sämtlicher Register kommt. Die Kopfstimm- Mittelstimm- und Bruststimmfärbungen sind dann in jedem Frequenzbereich zu gewissen Anteilen vorhanden, so dass es zu einer möglichst gleichmäßigen Verteilung der Klanganteile kommt.

Was genau ausgewogen bedeutet, wie das klingen soll und ob eher Brust- oder Kopfstimmanteile bevorzugt werden etc, hängt von persönlichen, musikalischen, kulturellen und ästhetischen Kriterien ab und kann deshalb von Gesangskultur zu Gesangskultur, Genre, Stil und musikalischem Material sehr unterschiedlich sein.

In den nächsten Tagen werde ich viele unterschiedliche spannende Beispiele aus aller Welt aufführen, die vielfältige, stimmliche Ausdrucksmöglichkeiten demonstrieren, in denen die Wirkung der Register und des Stimmumfangs im Vordergrund steht.

Maria Goeres

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1.1/ Stimmumfang und Register (Teil 1)

In der zweiten Septemberwoche geht es um Tonhöhen, Stimmumfang und Register. Manche Gesangsschüler fragen mich zu Beginn, was es mit Kopf-, Brust-, oder Mischstimme, Falsett, Pfeifregister oder Strohbass eigentlich genau auf sich hat.

Alle diese Begriffe beschreiben bestimmte Klangqualitäten der Stimme die sich auf Tonhöheneigenschaften oder charakteristische Färbungen von bestimmten Tonhöhenabschnitten beziehen. Und sie beschreiben spezifische subjektive Resonanzempfindung die während des Singens entstehen. Im morgigen Beitrag beantworte ich folgenden Fragen:

– Was ist ein Stimmumfang?
– Was  passiert im Kehlkopf wenn wir hoch oder tief singen?
– Was bedeutet „Register“?
– Und was ist eigentlich die sogenannte Mischstimme?

Und bis zum Ende der Woche gibt es viele interessante (Klang)Beispiele zum Thema Stimmumfang, Register und Mischstimme aus der Welt der faszinierenden Möglichkeiten unserer Singstimme und außerdem weitere Antworten auf die Frage, was wir von anderen Gesangskulturen lernen können und warum der Umgang mit Register, Stimmumfang und Tonhöhen beim Singen wichtig ist.

Maria Goeres

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