World of Voice and Singing

Center Gravity / Fluid Power / Vocal Freedom


1.1/ Stimmumfang und Register (Teil 5)

Gibt es die ideale Mischstimme?

In unseren westlichen Gesangsstilen wird oft angestrebt weder in der reinen Brust- noch Kopfstimme, sondern in der sogenannten Mischfunktion zu singen. Es handelt sich dabei um ein Konzept, dass auf gewissen physiologischen und Klangästhetischen Tatsachen beruht.

Man spricht von einer ausgewogenen voix mixte,  Mischfunktion oder einem Registerausgleich wenn es über das möglichst gleichmäßige Zusammenwirken aller Muskeln zu einer Verschmelzung sämtlicher Register kommt. Die Kopfstimm- und Bruststimmfärbungen sind dann in jedem Frequenzbereich zu gewissen Anteilen vorhanden und bewirken eine möglichst gleichmäßige Verteilung der Klanganteile.

In Ausbildungsmethoden wird je nach pädagogischem Ansatz entweder ein isoliertes Ansteuern der Register geübt um sie letztendlich zusammenzuführen, oder von Beginn an die Bildung einer Mischfunktion angestrebt ohne die Register zu trennen. Um eine offene, freie und gesunde Mischfunktion zu erreichen, ist es nach meiner Erfahrung vor allem notwendig die Schwingung der Randkante über den gesamten Stimmumfang in die Mischstimme zu integrieren und über eine Öffnung der Rachenräume mit der Bruststimme zu verbinden. Der ideale Zustand einer Mischfunktion lässt sich etwa so beschreiben: Er zeichnet sich durch eine  Balance der Muskeltätigkeit im Gesangsapparat aus, braucht einen gesunden Stimmbandschluss, offene Resonanzräume, einen entspannten Kiefer- und Rachenraum, eine unabhängig arbeitende Zunge und ausgewogenen Spannungszustand im Körper (Eutonus), insbesondere auch Atmungsvorgang.

Natürlich fallen mir zahlreiche SängerInnen mit guter Mischfunktion ein, über alle geografischen und musikalischen Grenzen hinweg. Und alle bringen sie unterschiedliche Qualitäten mit.

Ich kann die Frage im Titel nur subjektiv und aus meiner Sicht beantworten.  Auch wenn die Liste der SängerInnen mit guter Mischfunktion endlos ist, gibt es wenige von ihnen deren ich mit totaler Ausgewogenheit und Freiheit beschreiben würde, kombiniert mit konsequenter Durchlässigkeit. Es ist ein Zustand der nicht manipuliert sondern zulässt, eine Mischung die nicht über Druckfunktionen und Kompensation sondern Balance zwischen Spannung und Loslassen entsteht. Allerdings  müssen die beschriebenen Kriterien in der Praxis nicht alle zutreffen, damit eine Stimme fasziniert und berührt.

Wer Beispiele für SängerInnen mit „idealer“ Mischfunktion findet, kann diese (am besten mit Begründung) gerne im Kommentar hinterlassen. Ich mache den Anfang und wähle ein Beispiel aus dem Popbereich, den fantastischen Donny Hathaway:

  1. Donny Hathaway „I love your more then you’ll know“: http://www.youtube.com/watch?v=Dko6eQl4w2s
  2. Donny Hathaway „Jealous Guy“: http://www.youtube.com/watch?v=x7EsC1TMzrA

Im nächsten Beitrag werde ich über die Besonderheiten der Mischfunktion im nordindischen Dhrupad berichten.

Enjoy,

Maria Goeres

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Fotos: Nutzungsrechte und copyright Maria Goeres

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1/ The amazing potential of our singing voice

Our voice provides a much wider range of sound and expressions, as we normally use. In other voice cultures I explored ways of singing that can be of great value for all voice techniques from Classic to Pop! During my Studies of Music at the University I made research about singing techniques inside and outside Europe. My curiosity brought me to far distant places and so it came that I not only practiced so called western (functional voice training, middendorf breathwork etc) but also indian, african, mongolian and other voice cultures. Always searching for new relevant insights that enrich western methods of vocalcoaching and motivated to overcome my own borders.

As I started to explore the essential aspects of traditional northindian singing, the borders towards general western methods started to vanish and I realized that it is possible to combine them. In my three years research I took lessons with a northindian singer who allowed me deep insights into the details of this surprisingly universal technique, which is normally kept by strict family traditions. After collecting as much knowledge as I could, I wrote a book in 2008 and started to integrate these unknown methods into my work as a vocalcoach.

The following months I dedicate my blog to the subject: The amazing potential of our singing voice!

We will explore the characteristics of singing techniques from different Genres and countrys all over the world. We will also have some insights into interesting and funny teaching methods for singers but always come back to those aspects, which are relevant and capable of being integrated into our way of singing. To be more precise, I am going to write about the audible and sensible structures of the voice and its tecniqual possibilities. I will refer to physiological, psychological, mental and musical-artistic aspects from time to time but will not totally put them into focus – not yet 😉

The main September subject is vocal register and ambitus.

Enjoy,

Maria Goeres

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1/ Die faszinierenden Möglichkeiten unserer Singstimme

Maria Goeres GesangsworkshopDie eigene Stimme bietet ein wesentlich breiteres Spektrum an Ausdrucksformen, als wir ihr normalerweise  zutrauen. In anderen Gesangskulturen habe ich entdeckt, was für unsere Stimmen von Klassik bis Pop von unschätzbarem Wert sein kann! Während meines Musikstudiums erforschte ich außereuropäische Gesangstechniken. Mein Wissensdrang über die Stimme trug mich bis in weit entfernte Länder und so habe ich mich nicht nur mit sogenannten westlichen (funktionale Stimmentwicklung nach G. Rohmert, M. Haas;  Atemarbeit nach Middendorf u.a.) sondern auch mit indischen, afrikanischen, mongolischen und anderen Gesangstechniken auseinandergesetzt. Immer auf der Suche nach neuen Erkenntnissen, die für unsere Methoden der Stimmbildung relevant sind und motiviert, meine eigenen Grenzen zu durchbrechen.

Als ich begann, die essentiellen gesangstechnischen Aspekte des traditionellen nordindischen Gesangs zu untersuchen, verschwanden die Grenzen gegenüber den mir vertrauten Methoden und ich war erstaunt, wie sehr sich beide miteinander vereinbaren lassen und was noch viel wichtiger ist: bereichern. Nach dreijähriger Forschungsarbeit und Unterricht bei einem Sänger aus Nordindien, der mir tiefe Einblicke in die durch strenge Familientradition gehüteten und überlieferten Details einer erstaunlich universellen Gesangstechnik gewährte, verfasste ich 2008 darüber ein Buch. Seither habe ich diese unbekannten Methoden in meinen Unterricht als Stimmbildnerin integiert.

In den folgenden Monaten widmen wir uns dem Thema: Die faszinierenden Möglichkeiten unserer Singstimme!

Wir entdecken die Besonderheiten unterschiedlicher Gesangstechniken aus verschiedenen Genres und Ländern, schauen uns interessante und kuriose Unterrichtsmethoden an und fokussieren dabei immer wieder auf das, was sich von Klassik bis Pop in unsere Gesangstechniken integrieren lässt. Um genauer zu sein, geht es bei dieser Kategorie vorrangig um Strukturen der Stimme und ihre stimmtechnischen Möglichkeiten. Und zwar insbesondere jene Ausdrucksmittel, die wir mit sensiblen Ohren unmittelbar hören können. Psychologische, geistig-mentale und musikalisch-künstlerische Aspekte werden dabei ebenso berührt wie physiologische, wenn auch nicht immer in den Fokus gestellt. Noch nicht!

Im September geht es um das Thema „Stimmumfang und Register“:

1/ Die faszinierenden Möglichkeiten unserer Singstimme

1.1  Stimmumfang und Register
Teil 1 Einführung in das Thema
Teil 2 Was ist Stimmumfang, Register, Mischstimme?
Teil 3 Kopfstimme, Falsett und Pfeifregister
Teil 4 Bruststimme und Strohbassregister
Teil 5 Gibt es die ideale Mischstimme?
Teil 6 Das Nicht-Registerkonzept im Dhrupad
Teil 7 Registerwechsel, -sprünge und -brüche

viel Spaß

Maria Goeres

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