World of Voice and Singing

Center Gravity / Fluid Power / Vocal Freedom


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1.2/ Klangfarben, Charakteristiken, Timbre (Teil 5)

 

Stimme hören, fühlen und SEHEN

Während meines Studiums vor einigen Jahren wurde ich in der Universität der Künste Berlin Zeugin einer Versuchsreihe zu einem Programm, dass Gesangsslehrern ermöglichen soll, die Gesangsststimme ihrer Schüler im Unterricht zu visualisieren und möglichst objektiv zu beurteilen. Einige Jahre später war das Programm „Voce Vista“ auf dem Markt und mittlerweile gibt es noch weitere Software dieser Art. Inzwischen wird es von manchen Lehrern bereits im Unterricht verwendet.

Ich bin der Sache mit einiger Skepsis begegnet, da ein solches visuelles Feedback die Gefahr birgt sich auf ein technisches Instrument zu verlassen, anstatt die eigene Hörfähigkeit sowie Körper- und Klangempfindung auszubilden und zu differenzieren. Und es verleitet zu direkten Vergleichen und kann damit die individuelle Stimmentwicklung unterlaufen. Dennoch lässt sich nicht ignorieren, dass eine technische Stimmanalyse interessante und auch lohnende Erkenntnisse liefern kann, wenn man sie behutsam einsetzt,  z.B. – gekoppelt mit der differenzierten auditiven Beurteilung – zu Beginn der Gesangsausbildung durchführt und nach einiger Zeit des Lernens wiederholt. Es ist für den Schüler durchaus interessant die Entwicklung seiner Stimme nicht nur fühlen und hören sondern auch sehen zu können.

Die singende Stimme wird mittels Mikrophon aufgenommen. Das Schallsignal wird dann in einer Spektralanalyse, Sonagramm dargestellt. Erkennen kann man in einem solchen Sonagramm zum Beispiel die (Sänger)formanten, den Grundton, Obertöne, dominierende Obertonbereiche und die Teiltöne im Frequenzspektrum der jeweiligen Stimme. Ebenso kann man Geräusche erkennen und Besonderheiten wie Stimmeinsatz oder Vibrato. Man kann auch die Wirkung des Ansatzrohres auf den Stimmklang untersuchen – nur die Klangfarbe entzieht sich der Analyse eines solchen Programmes bisher weitehend.

Klangfarben visualisieren

Allerdings auch auf diesem Gebiet gibt es bereits grosse wissenschaftliche Fortschritte. So soll es bald eine Software geben, die Klangfarben unterscheiden kann:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-3959-2005-12-08.html

Und für eine detalliertere Obertonanalyse gibt es auch:

http://www.sygyt.com/de/overtone-analyzer

Maria Goeres

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1.2/ Akustischer Fingerabdruck der Stimme (Teil 4)

Was macht den Klang einer Stimme einzigartig?

Die Klangfarbe und das Timbre bestimmt die einzigartigen Merkmale einer menschlichen Stimme – unseren „akustischen Fingerabdruck.“Wie im ersten Artikel der Serie „Klangfarben, Charakteristiken, Timbre“ bereits erläutert, werden die Resonanzeigenschaften der Stimme durch die Schallabstrahlung in den Resonanzräumen geprägt. Je nachdem welche individuellen Eigenschaften die Ansatzräume (also alle Räume oberhalb der Stimmbänder) aufweisen und auf welche Weise sie geformt werden, bilden sie individuelle Klangcharakteristiken. Durch die Veränderung der beweglichen und weichen Bereiche unseres Ansatzraums können wir die Form und damit den Zustand der Schallabstrahlung des Stimmklangs direkt beeinflussen (z.B. über Rachenweite, Kieferöffnung, Zungenposition, Lippen, Mund, Gaumensegel, Kehldeckel, Kehlkopfposition). Dabei lassen gewisse Phänomene erkennen, welche spezifischen Formen des Ansatzraumes zu welchen Klangeigenschaften führen. Deutlich ist dies beispielsweise bei der Bildung von Vokalen – welche unter anderem mit bestimmten Zungenpositionen einhergehen. Oder auch der Winkel in dem der Kehldeckel sich aufrichtet oder abflacht hat einen Einfluss auf den Klang. Wenn der Zungenbeinmuskel nicht noch zusätzlich verspannt sondern frei ist, führt ein Kehldeckel in flacherem Winkel zu eher hellen und scharfen Klangeigenschaften. Bei gleichzeitiger Verspannung der Zungenbeinmuskel hingegen erscheint der Klang eher dumpf und kehlig. Dies sind aber nur wenige von unzähligen Beispielen.

Die Auswirkungen des Resonanzraumes auf den Stimmschall kann man heutzutage mittels Computerprogrammen sogar technisch messen. Ist sich ein Sänger der Zusammenhänge zwischen Resonanzräumen und Stimmschall bewusst und gelingt es ihm die Resonanzräume optimal einzustellen, kann er diese nutzen, um die Leistungsfähigkeit seiner Stimme zu erhöhen und/oder sie in eine ganz spezifische Stilrichtung auszubilden –  z.B. für „typische“ Stimmcharakteristiken wie sie im Musicalgesang oder im klassischen Gesang erkennbar sind. Eine entscheidende Rolle spielen dabei auch die Formanten (siehe erster Beitrag 1). Der Charakter eines jeden Klangs wird im Wesentlichen durch seine Formanten bestimmt.

Hier singen Elton John, Lou Reed, Pavarotti, Bono, Suzanne Vega, David Bowie, Brett Anderson, Tom Jones  und viele andere den Song „Perfect Day“

http://www.youtube.com/watch?v=DZbY5GviFhU

Eine Bewusstheit über diese Zusammenhänge können aber auch im Sinne einer stimmlichen Freiheit erlernt werden. Dies ist der Fall, wenn wir nicht von vornherein typische Klangstilistiken anstreben oder nachahmen, sondern – auch innerhalb eines bestimmten Genres- danach streben, die eigenen, natürlichen Klangeigenschaften zu finden. Es entsteht ein einzigartiger klanglicher Ausdruck, der sich mühelos unter tausenden widererkennen lässt.

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Kandinskys Klangfarben & Übung für SängerInnen

Wie hört Kandinsky die Klänge der Farben die er malt?

„Die Kunstwerke sollen aus sich selbst heraus entstehen, ohne auf naturgegebenen Formen angewiesen zu sein. Dabei ist die Farbe besonders wichtig, da sie die Seele des Betrachters zum Vibrieren bringen kann. Sie nimmt also die gleiche Funktion ein, wie der Klang in der Musik.“

Auf dem Blog Klangschreiber.de sind zahlreiche spannende Artikel rund um das Thema Musik, Klang, Stimme, Akustik aus einem medienwissenschaftlichen Seminar mit dem Titel „Auditive Medienkulturen“ veröffentlicht. Heute möchte ich unter der thematischen Überschrift „Klangfarben, Charakteristiken, Timbre“ einen von ihnen vorstellen. Der Klang von Farben nach Wassily Kandinsky (in 2 Teilen):

www.klangschreiber.de (Teil 1)

www.klangschreiber.de (Teil 2)

Malerische Präsentationsübung für Sänger

Im letzten Beitrag habe ich einen Link veröffentlicht über die Patua aus Indien die ihre Bilder gesanglich vortragen. In diesem Zusammenhang habe ich mich an eine sehr wirkungsvolle Übung erinnert. Diese schöne Übung habe ich in einem Präsentationsseminar nach der Methode „Die freie Stimme“ (A. Goeres) gelernt. Sie hilft einen intuitiveren, tieferen, individuellen und authentischen Zugang zu einem Song herzustellen:

1. Du brauchst einen grosses weisses Blatt, Farben zum malen und einen Song deiner Wahl

2. Setze dich mit dem Inhalt, der Botschaft des Songs auseinander. Notiere dir Stichpunkte dazu und versuche die Essenz deines Songs zu finden. Eine passende Überschrift oder einen Subtext.

3. Wähle intuitiv jene Farben und Formen, die musikalischen Ausdruck, Charakter und Botschaft des Songs am besten darstellen und male ein Bild deines Songs. Vermeide strukturell oder gegenständlich an die Sache heranzugehen. Lasse die Farben und Formen sponat fliessen, indem du dich mit der zuvor gewonnenen Essenz verbindest.

4. Betrachte dein fertiges Bild und singe es.

5. Singe den Song erneut und bleibe mit deinem Gemälde in Verbindung.

Viel Spaß beim Entdecken,

Maria Goeres

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Gesungene Bilder

Die Patua aus Bengalen (Indien) kreieren Klangfarben im wahrsten Sinne.

Als Maler und Sänger malen sie Bilder auf Rollen und tragen sie als Geschichten in singender Form vor. Zwei Schweizer Künstler waren dort und berichten darüber in dieser Sendung:

http://www.drs.ch/www/de/drs/sendungen/atlas/2613.sh10226460.html

 

Viel Spass beim Hören,

Maria Goeres

 


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1.2/ Klangfarben, Charakteristiken, Timbre (Teil 3)

Wollen wir Vielfalt oder Einfalt? Grün grün grün sind alle meine Kleider …

Wenn man erst einmal einen Wohlfühlklang in der Stimme gefunden hat und sie damit einigermaßen im Griff hat, kann es sein, dass man diesem Klang fortan treu bleibt, immer wieder mit denselben Klangfarben malt und dieselben „Wege“ abgeht. Man hinterlässt Spuren, die sich zu Klangcharakteristiken festigen. Das gehört zur Ausbildung einer Stimme dazu und stärkt den sicheren Umgang und das ganz individuelle Stimmprofil – das dann bestenfalls einen hohen Wiedererkennungswert und authentischen Ausdruck hat! Und hat er erst einmal gelernt mit seiner Stimme auf gesunde Weise umzugehen, ist es dem Künstler überlassen, ob er sich mit dem mühsam erworbenen stimmlichen Handwerkszeug, dem erfolgreich zurechtgeschliffenen Klangfarbenspektrum zufrieden gibt, es weiter verfestigt und dann jedes Songmaterial daran anpasst.

Doch wird das der Vielfalt unserer gesungenen Worte, den transportierbaren Stimmungen und den klanglichen Möglichkeiten unserer Stimme gerecht? 

Wenn ich an die Klangeigenschaften von Singstimmen denke, kommt mir manchmal das Bild einer Landschaft in den Sinn. Eine Landschaft die viele unterschiedliche Erscheinungsformen zeigt, die jeweils ganz unterschiedliche Assoziationen und Empfindungen auslösen. In dieser Landschaft kann man frei umherwandern, immer wieder neues Territorium erobern, sich immer wieder von Neuem überraschen lassen, wenn man die gewohnten Wege verlässt und sich traut auch das unbekannte Terrain zu entdecken. Nachdem ich über Jahre hinweg unterschiedliche Stimmen aus den unterschiedlichsten Genres und fast allen Teilen der Welt angehört habe, kann ich manchmal nicht fassen, wie viele klangliche Möglichkeiten die menschliche Stimme eigentlich hat. Umso mehr habe ich mich gefragt, warum wir unseren Hörgewohnheiten derart treu bleiben, immer wieder ähnliche Klangcharakteristiken abspulen und imitieren – und selten wagen aus ihnen herauszubrechen.

Eine Antwort darauf ist wohl „Identifikation.“ Wie kann sich ein Zuhörer zurechtfinden wenn der Sänger weit mehr als nur eine Stimme hat, wenn er ein großes klangliches Spektrum nutzt? Kann man sich mit Vielfalt identifizieren? Das Unbekannte ist oftmals verwirrend, die Vielfalt verunsichert, weil sie schwer zu greifen ist, die fremden Klänge erschüttern unsere Gewohnheit und werden rasch unangenehm, sie konfrontieren uns mit Neuem und müssen sich erst in unserer Welt einen Platz ergattern, bevor wir sie annehmen wollen. Wir wollen uns darin widerfinden.

Eine andere Antwort darauf ist wohl „Authentizität.“ Solange wir keine aufrichtige in der Stimme hörbare Verbindung des Sängers mit der Absicht und dem Inhalt seines Singens wahrnehmen, erreichen uns weder einheitliche, wiedererkennbare Klangfarben noch neu erschaffene Klangcharakteristiken.

Doch ist Musik nicht Ausdruck von Vielfalt, Abwechslung und Lebendigkeit? Ein ewiger Prozess, eine rastlose Suche im endlosen Ozean der Klänge?

Wahrscheinlich liegt der Zustand den wir suchen irgendwo dazwischen – in der Balance von Bekanntem und Neuem, Abgrenzung und Ausbruch, Erinnern und Überraschen, Gewohnheit und Abwechslung, Vielfalt und Einfalt, Zerstörung und (Neu)Erschaffen, Struktur und Improvisation, Chaos und Ordnung – und wieder fühle ich mich erinnert an die Natur, die sich auf diese Weise in unterschiedlichen Landschaftsbildern ausdrückt.

Es bleibt an uns Sängern und Zuhörern, ob wieder gerne dort bleiben, wo wir uns wohl und sicher fühlen, wo wir uns auskennen – oder ob wir weiter und weiter gehen und feststellen, dass wir weitaus mehr kreativen Raum zur Verfügung haben wenn wir uns trauen auch andere Klangfarben auszuprobieren, bis eine bewegliche Balance entsteht. Sei es indem wir „unsere“ Klänge differenzieren, verfeinern und vertiefen– oder indem wir noch mehr aus unserer Stimme herausholen und neue Klangfarben finden oder erlernen. Natürlich kann man das in der Stimmbildung oder im Gesangsunterricht lernen, sofern der Lehrer bereit und in der Lage dazu ist, eine Vielfalt an Klangfarben zu unterstützen.

Dafür sind einige Schritte erforderlich. Wenn ich Stimmbildung oder Gesang unterrichte, gehört zu einem der ersten Schritte das gemeinsame Aufdecken der momentanen klanglichen Möglichkeiten. Dazu gehört auch, die gewohnten und bekannten Wege zu identifizieren, jene die als angenehm oder schön empfunden werden und jene die sich als unangenehm oder störend herausstellen. Wir machen uns auch Gedanken über die Visionen, vermisste oder unentdeckte Klanganteile, Klangvorstellungen oder sogar Wunschklangfarben, sofern es sie gibt. Auf dieser Basis kann der Sänger seine individuelle stimmliche „Landkarte“ zeichnen, lernen sich in ihr zurechtzufinden und neue Bereich zu erobern. Für mich als Stimmbildnerin/ Gesangslehrerin ist es eine lohnende Herausfoderung diesen unterschiedlichen Anliegen nachzugehen, mit jedem Schüler seine passende „Expeditionsausrüstung“ auszusuchen und Seite an Seite (neue) „Stimmlandschaften“ zu erkunden. Doch eines bleibt dabei sicher: Gesangstechnik, Klangfarben und musikalische Stilmittel – all diese werden erworben, um sich in den Dienst der künstlerischen Botschaft zu stellen.

Maria Goeres

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Gesangsspiel (2) des Monats

Im letzten Beitrag habe ich erwähnt, dass eine differenzierte Hörfähigkeit entscheidend ist, um Klangfarben zu identifizieren. Passend zum Thema Klangfarben, Charakteristiken und Timbre stelle ich in diesem Monat zwei Spiele vor, in denen das Hörvermögen interaktiv getestet und geübt werden kann:

Welche Frequenzen kann ich hören? Ein Selbsttest und anschliessender Vergleich mit der Tierwelt:

www.wildmusic.org

Wer die Grundfrequenz gut heraushören kann, lernt auch sie nach und nach von den Teiltönen zu unterscheiden. Hier kann man die Intonationsfähigkeit (Tonhöhen genau identifizieren) testen und die Feinheiten des Hörens trainieren. Ein Ton (rechts) muss exakt an den vorgespielten (links) angepasst werden:

www.trainer.thetamusic.com

Viel Spaß

Maria Goeres

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1.2/ Klangfarben, Charakteristiken, Timbre (Teil 2)

Wie kann man den Klang einer Stimme beschreiben?

Alles beginnt mit dem aufmerksamen und differenzierten Hören. Wenn wir versuchen den Klang einer Stimme subjektiv in Worte zu fassen, kann jede Assoziation helfen und der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Sobald wir aber versuchen den Stimmklang objektiv zu beschreiben, werden wir rasch an unsere Grenzen stoßen. Für die objektive Beschreibung von Stimmklängen braucht es viel Wissen über das Wesen von Klängen und Erfahrung, den Klang der Stimme von all den anderen sich überlagernden Eindrücken abzugrenzen, die Sänger auf uns hinterlassen. Das braucht viel Übung. Erschwerend kommt hinzu, dass es bisher nicht einmal eine umfassenden Systematik über Stimmklänge gibt. Aber kann so ein System überhaupt vollständig sein? Oder objektiv?

Als Stimmforscherin habe ich einige Gesetzmäßigkeiten zusammengetragen und verfeinert, die sich objektiv messen und weitgehend objektiv übertragen lassen. Da ist zum Beispiel die Erkenntnis, wenn der Grundton stärker hervortritt als andere Frequenzbereiche, ein Stimmklang ‚matter‘ erscheint; oder dass der Obertonanteil am Gesamtspektrum entscheidet, wie ‚brillant,’ ‚hell,’ ’spitz,‘ ’scharf‘ oder ‚durchdringend‘ der Klang wirkt. Man sagt auch, dass Teiltonpaare über dem 4.Teilton, die weniger als 100Hz auseinander liegen den Klang ‚rau‘ erscheinen lassen können. Weit verbreitet ist die Erkenntnis, dass der Anteil des Sängerformanten bei 2.6-4.0 kHz die Tragfähigkeit der Stimme beeinflusst.

In einer meiner wissenschaftlichen Arbeiten habe ich den Versuch unternommen, Stimmklänge in Kategorien zu systematisieren. Unter anderem nach der Anzahl der Teiltöne, nach den Formanten, der Tonqualität sowie dem Nebengeräuschanteil, der Tragfähigkeit, Dynamik, Stilistik, Gesangstechnik, aber auch emotionalen Ausdruck. Und nicht zu vergessen, der Güte und den unspezifischen Qualitäten (z.B. schön, attraktiv, langweilig …). Jeder Kategorie habe ich bestimmte beschreibende Eigenschaften zugeordnet. Und da kommt einiges zusammen. Hier eine Auswahl:

… reich, differenziert, fein, flexibel, mühelos, ausgewogen, frei, fließend, schwerfällig, undifferenziert, grob, blockiert, eng, drückend, weit, dynamisch, brillant, glänzend, strahlend, leuchtend, Intensität, Dichte, hohl, matt, voluminös, voll, groß, kräftig, beständig laut, leise, nasal, dünn, klar, rein, rau, behaucht, heiser, krächzend, instabil, gebrochen, attraktiv, schön, makellos, hässlich, unangenehm, aufdringlich, künstlich, aufgesetzt, langweilig, kalt, tot, intentionslos, ergreifend, intensiv, bewegend, natürlich, authentisch …

Doch selbst wenn man objektive wissenschaftliche Erkenntnisse anwendet, den Stimmklang im sogenannten Sonagramm untersucht, bleibt der Höreindruck um einiges Vielschichtiger als jede Messung. Zu den besten Ergebnissen kommt man übrigens, wenn man die technischen Messungen und Analysen der Sonagramme mit den qualitativen Beurteilungen über das reine Hören miteinander kombiniert. Doch wie tief man auch wissenschaftlich in die Materie dringt, es bleiben immer Aspekte, die sich den Beschreibungen, Kategorisierungen, Erklärungsversuchen entziehen. Der Klang einer menschlichen Stimme ist ein hochkomplexes, faszinierendes, kaum vollkommen zu durchdringendes Phänomen.

Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Erforschung von Stimmklängen ein spannendes und lohnendes Thema ist. Für mich hat sich herausgestellt, dass meine jahrelange Praxis der immer feiner werdenden Wahrnehmung eines Stimmklangs nicht nur bei der Erfassung von außereuropäischen Stimmen hilfreich ist. Als Sängerin/Songwriterin bewirken gerade diese Feinheiten die großen Unterschiede und als Stimmbildnerin bin ich in der Lage die Stimmen meiner SchülerInnen sehr differenziert einzuschätzen.

Maria Goeres

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